Annapurna Trek: Tag 8

Montag, 6.4.2009: Thorung Pedi – Muktinath → weiter → Übersicht

Heute steht die große Herausforderung dieses Treks auf dem Programm, die Überquerung des 5416m hohen Thorung La Passes. Um kurz vor Vier klingelt der Handy Wecker und beendet den nicht sehr tiefen Schlaf. Erstmal raus aus dem warmen Schlafsack in die frostige Kälte. Dann muß bei Stirnlampenlicht und einer kleinen Kerze gepackt werden. Danach noch ein kleines Frühstück, welches Barbara wieder einpackt, da sie immer noch keinen Appetit hat, und dann geht es um viertel vor Fünf an den Aufstieg.

Eine richtig kleine Stirnlampenprozession ist das, die Sepentinen zum High Camp hoch. Zuerst ist Barbara noch in normalem Tempo unterwegs, sie holt mich immer wieder ein, wenn ich ein paar Minuten warte. Um 5:30 Uhr bin ich oben beim High Camp, doch hier muß ich dann doch geschlagene 20 Minuten warten und denk mir schon, dass das nicht so ganz normal ist. Wie erwartet ist sie sofort einverstanden, erstmal einen heißen Tee zu trinken.

Danach geht es an die letzen 500 Höhenmeter, und obwohl der Weg ab hier nicht mehr sehr steil ist, merkt man jeden Höhenmeter. Mittlerweile ist es hell geworden und wir bestaunen das Bergpanorama um uns herum. Ich gehe schon sehr langsam, dennoch muß ich alle paar Meter warten, weil meine Gattin nicht kommt. Ich frage sie warum sie so extrem langsam ist, und alle 10 Meter stehenbleibt. Sie meint nur, es sei alles in Ordnung und sie will sich ja auch die Gegend ansehen… So geht es in Schleifen über viele Moränenhügel immer weiter den Berg hinauf. Allerdings geht die Geschwindigkeit asymptotisch gegen Null. Ich kann mir schon ausrechnen, dass wir in diesem Tempo heute abend vielleicht gerade mal auf dem Pass sind, geschweige denn die 1600m Abstieg nach Muktinath noch schaffen.

Nach einer weiteren Moräne sehe ich ein letztes kleines Teehaus und daneben stehen zwei Yaks. Ich frage Rinji ob man die wohl mieten kann und er erkundigt sich. Ja, für 50€ kann man damit zum Pass hochreiten. Nach einer kurzen Verhandlung einigen wir uns auf 30€. Als Barabara kommt, nimmt sie das Angebot sofort freudestrahlend an.

Super, jetzt hat die Warterei ein Ende und die Passüberquerung ist gesichert. Ich zahle das Yak und mache mich dann gleich auf den Weg, wer weiß wie schnell die sind. Barbara trinkt derweil noch einen obligatorischen Tee. Es ist erstaunlich, nach einer halben Stunde hat sie mich eingeholt und zieht vorbei. Und dass obwohl ich nur zweimal kurz zum Fotografieren stehengeblieben bin und ansonsten doch recht zügig unterwegs bin. Sie strahlt fömlich auf dem Yak, denn sie reitet sowieso gerne und darf hier wohl sogar frei reiten, die beiden Yakhirten laufen bloss hinterher.

Nachdem ein paar weitere Schleifen und Moränen überwunden sind stehe ich plötzlich vor dem Pass. Um ca. 8:15 Uhr ist es vollbracht, wir haben den höchsten Punkt erreicht. Wir freuen uns natürlich alle und beglückwünschen uns zu diesem Moment. Zur Feier des Tages hole ich eine Dose Kubanisches Bier aus meinem Tagesrucksack. Ein Bucanero auf dem Thorung La, ich dachte mir, das ist doch eine passende Gelegenheit dieses Mitbringsel aus Kuba aufzumachen. Barbara ist auch wieder top fit, die Höhenprobleme sind auf wundersame Weise verschwunden. Vermutlich hat da die Psyche viel Einfluß gehabt.

Der Pass selber ist wenig spektakulär, es ist ein breiter relativ flacher Sattel mit einer kleinen Schutzhütte und vielen Gebetsfahnen. Ich gehe noch ein paar Meter den Berg auf der rechten Seite hinauf um noch etwas höher zu kommen und eine gute Übersicht über den Pass zu bekommen. Ein paar Mittelformat Bilder gibt es auch, wenn auch nur um der Schlepperei der Kamera hier hoch einen Sinn zu geben…

Gegen Neun beschließen wir den Abstieg nach Muktinath anzugehen. Das Wetter im Kali Gandhaki Tal, welches vor uns liegt und welches wir die nächste Woche durchwandern werden ist nicht sehr stabil. Wir sehen im Tal Wolken aufziehen und wollen vermeiden vom Wetter überrascht zu werden. Der Abstieg ist extrem lang, teilweise sehr steil und muß bei schlechtem Wetter die Hölle sein, denn schon bei trockenem Boden geht man an vielen Stellen an der Haftgrenze der Sohlen. Bei Neuschnee muß das hier extrem rutschig werden. Beim Abstieg stellt sich auch mein Kopfweh wieder ein, ich scheine empfindlich auf den Druckanstieg zu reagieren. So gehen wir manchmal direkt, manchmal in Serpentinen die Bergflanke hinunter.

Gegen 11 Uhr erreichen wir die erste Häusergruppe bestehend aus drei Teehäusern, die nur im Sommer geöffnet sind. Es bietet sich an hier Pause zu machen und den Beinen vom Abstieg etwas Erholung zu gönnen. Meine Zehen schmerzen vom vielen Anstoßen an irgendwelchen Steinen, wie sich später herausstellt sind auch beide großen Zehennägel blau.

Man meint hier man sei schon unten im Tal, aber es täuscht. Das Tal hier ist das Thorung Kola, das Tal zum Thorung. Wir gehen ab hier nochmal gut anderthalb Stunden bis wir erstmal den Tempelbezirk von Muktinath und dahinter den Ort mit den Lodges, der eigentlich Ranipauwa heißt erreichen. Rinji empfiehlt die Bob Marley Lodge und wir sind überrascht hier eine so stilvolle Lodge mit Bob Marley Plakaten, und der entsprechenden Musik zu finden. Wir bekommen ein sehr schönes Zimmer mit Ausblick auf das Kali Gandhaki Tal, welches nochmal 1000m weiter unten liegt. Am besten ist hier die heiße Dusche, die wir ausgiebig geniessen.

Da es noch relativ früh ist, wir sind ja schon vor 5 Uhr losgelaufen und haben jetzt um 14 Uhr schon 9 Stunden hinter uns, beschließen wir den Ort zu erkunden. Das ist aber enttäuschend, denn zum Einen hat sich das Wetter deutlich verschlechtert, es ist bedeckt und die Wolken hängen sehr tief und zum Anderen gibt es hier außer ein paar Souvenirständen und vereinzelten recht verfallenen Häusern nicht wirklich viel Sehenswertes. Als es dann auch wirklich anfängt zu Graupeln, gehen wir zurück in die Lodge und essen eine Suppe und tauschen uns mit den anderen Trekkern dort über unsere Erlebnisse aus. Das Wetter draußen wird immer übler, wir sind verdammt froh, dass wir den Pass so früh überquert haben. Dort oben muß es jetzt extrem unangenehm sein.

Unter den langen Tischen wird Holzkohle in Tonnen aufgestellt, und über den Beinen hat man eine Decke, sodass man von unten schön warm bekommt. Bei Musik von Tracy Chapman und Bob Marley verbringen wir so sehr angenehm den Nachmittag und Abend.

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