Berlin Juli 2011

Macht aber nichts, in Fulda geht es wieder ein Stück auf die Landstraße. Es ist jetzt Mitternacht, und ich bin kein bisschen müde. Parallel zur B27 geht es dann auf einem Fahrradweg durch die Hügel. Bei den Abfahrten bin ich wieder vorsichtig, man sieht nicht allzu viel bei 40km/h und Kurven.

Gegen 1 Uhr erreiche ich Hünfeld. Hier gibt es eine 24h Tankstelle und ich nutze die Gelegenheit ein paar Minuten Pause zu machen, ein Bier zu trinken und etwas zu essen. Auch ein Eis ist wieder dabei. Mittlerweile ist es empfindlich kalt, und ich bin froh, daß ich Handschuhe dabei habe und jetzt anziehen kann. Nach 20 Minuten geht es weiter, jetzt wird der Rest der Nacht in Angriff genommen.

Gleich nach Hünfeld kommt wieder eine Baustelle mit Umleitung. Zudem verpasse ich mal wieder einen Abzweig und mache zur Strafe knapp 2km Umweg. Aber das ist auf die Strecke gesehen ja unwesentlich. Es geht relativ eben weiter in das Tal der Werra. Nach Eiterfeld habe ich wohl auch die Grenze nach Thüringen überquert. Das merke ich aber erst später.

Das angenehme beim nachts Fahren ist, dass es erstens kaum Verkehr gibt, und wenn mal ein Auto von hinten kommt, merkt man das schon von weitem am Scheinwerferkegel. Das erlaubt es fast immer auf den kleineren Straßen in der Mitte der Fahrbahn zu fahren und nur wenn ein Auto kommen sollte, an den rechten Rand auszuweichen. Zudem werde ich nach wie vor nur mit gehörigem Abstand überholt, mein blinkendes Rücklicht scheint Eindruck zu machen.

An der Werra entlang windet sich die Straße dahin, später wundere ich mich, wie oft ich diesen Fluss überquere. Ich fange schon an, dem GPS zu misstrauen. In Gerstungen, es ist jetzt viertel nach drei, ist die Straße im Innenort aufgerissen und ich muss eine Umleitung fahren. Zu allem Übel ist auch diese Strecke eine heftige Baustelle. Wo keine Baustelle ist, fahre ich über uraltes Kofpsteinpflaster und ich komme nur im Schritttempo voran. Jetzt kommt mir auch der Gedanke, dass ich bestimmt schon in Thüringen bin. Bei den ganzen Schlägen kippt auch noch meine Akkulampe am Lenker nach unten, sodass ich sie des öfteren wieder ausrichten muss Der Halter ist nicht wirklich geeignet. Schade, dass mein Dynamolaufrad nicht rechtzeitig fertig wurde.

Zwischendurch sehe ich den Mond, der sich zwischen den letzten Wolken durchschiebt. Leider nur eine schmale Sichel, aber dennoch ein schöner Anblick, vor allem da er auch gutes Wetter signalisiert.

Bei Herleshausen traue ich meinem GPS nicht, als es mich auffordert, wieder Richtung Westen zu fahren, was sich aber als Fehler herausstellt. Hier hätte ich ein paar Meter weiter auf den Radweg entlang der Bahnstrecke abbiegen müssen. So fahre ich auf der kleinen Straße weiter und mache mal wieder einen kleinen Umweg. Mit etwas suchen komme ich nach einiger Zeit auch wieder auf die programmierte Strecke und erreiche bald Creuzburg. Hier, um kurz nach Vier wird auch schon der Himmel im Osten wieder heller. Das trifft sich gut, so langsam kann man auch wieder etwas von der hier sehr schönen Landschaft erkennen.

Ein paar Kilometer nach Creuzburg verlasse ich das Tal der Werra. Ich habe jetzt schon 500km hinter mir und somit schon mehr als die Hälfte der Strecke. Jetzt liegt der höchste Punkt der Strecke vor mir, aber das sind nur 430m, kaum höher als zuhause. Mittlerweile ist es fünf Uhr und richtig hell. Leichter Dunst liegt über der Landschaft und nur die Kälte, ich schätze ca. 6°C sind etwas unangenehm.

Schnell geht es wieder bergab und nach Mühlhausen, wo ich mir schon eine Tankstelle mit 24h Bistro Service auf dem GPS programmiert habe. Die liegt zwar nicht genau auf der Strecke, aber den kleinen Umweg fahre ich gerne. Etwas skeptisch bin ich schon, ob die nicht gerade heute Betriebsferien haben, aber nein, alles offen und es gibt leckere belegte Brötchen mit Mozzarella und eingelegten Tomaten. Dazu einen großen Kaffee und alles drinnen in der Wärme. Hier lässt es sich aushalten und schnell ist eine Stunde vorbei und ich muss weiter.

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