Berlin Juli 2011

Draußen emfpängt mich erstmal wieder die Kälte, obwohl jetzt schon die ersten Sonnenstrahlen wärmend daran erinnern, dass eigentlich Hochsommer sein soll. Angenehm, daß mir trotz der vielen Stunden im Sattel der Hintern nicht weh tut. Training zahlt sich einfach aus. Bis auf ein wenig schwere Beine beim lostreten fühle ich mich wohl und freue mich schon auf die Ankunft heute Abend in Berlin. Die Reststrecke sind zwar immer noch 300km, aber das bin ich ja schon öfter am Tag gefahren, wenn auch nicht mit mehr als 500km in den Beinen.

Um sieben rufe ich kurz Babs an und gebe ihr durch, dass alles klar ist und wir uns wie besprochen abends in Berlin treffen. Weiter geht es in Richtung Sondershausen, ein Stück auf der B248, die aber um diese Zeit am Sonntag morgen komplett leer ist. Nach Sondershausen geht es weiter durch die leicht hügelige Landschaft in Richtung Nordosten. Es gibt hier keine größeren Orte bis Sangerhausen. Der Wind hat heute schon früh aufgefrischt und bläst sehr böig. Zum Glück oft von hinten, vor allem auf der Ebene vor Sangerhausen, wo ich mit durchschnittlich 34km/h flott vorankomme.

Kurz vor Sangerhausen um dreiviertel zehn mache ich nochmal kurz an einer Tankstelle Rast, ein süßes Teilchen und eine Cola geben neue Energie. Nach Sangerhausen ist die Wegführung etwas verwirrend, ich brauche ein paar Minuten bis ich den Fahrradweg gefunden habe. Er ist zum Glück frisch asphaltiert und lohnt die Mühe. Ganz im Gegensatz zu den folgenden Ortsdurchfahrten, wo ich oft im Schritttempo über das Kopfsteinpflaster hopple. Mit 9 bar auf dem Rennrad wahrlich kein Vergnügen. Als dann auch noch auf der Landstraße solche Abschnitte kommen, verfluche ich die Strecke schon ein wenig. Aber die Alternative wäre, auf die Bundesstraße auszuweichen und das möchte ich auch nicht.

Hinter Eisleben kommen noch ein paar letzte Hügel bevor es dann in die Ebene hinausgeht. Der nächste Streckenpunkt ist Bernburg an der Saale. Beeindruckend sind hier die Abraumhalden des Tagebau, die unbewachsenen Bergkegel sehen aus wie Vulkane. Es ist jetzt kurz nach 12 Uhr und ich habe nur noch 170km vor mir.

Der nächste interessante Punkt der Strecke ist die Elbfähre bei Breitenhagen. Zuvor ärgere ich mich aber noch über meine Streckenplanung, denn der Weg den ich programmiert hatte und der laut Karte asphaltiert sein sollte, ist es leider nicht. Zudem geht er im Zickzack und teilweise habe ich den starken Wind von vorne. Aber auch das ist bald vorbei und es geht flach bis nach Breitenhagen. Im Ort weiche ich auf den Gehweg aus, bis zur Fähre ist mal wieder heftigstes Pflaster verlegt.

Die Fähre selbst wird durch die Strömung angetrieben und ist eine sogenannte Gierseilfähre. Etwas skeptisch bin ich, ob ich auch schnell eine Überfahrt bekomme. Wenn ich warten muss bis genügend Fahrgäste ankommen kann es ja ewig dauern. Aber ich habe Glück und nach weniger als 5 min legt die Fähre ab und bringt mich als einzigen Fahrgast für 1€ ans andere Ufer. Das sind die einzigen 300m, die ich ohne eigene Muskelkraft zurücklege. Auch mein GPS piepst, es wundert sich, dass das Rad steht, aber die Position sich dennoch verändert.

Auf der anderen Seite geht es im Eiltempo weiter, der Wind bläst schön von hinten und auch die Straße ist in einem guten Zustand. Schnell erreiche ich Zerbst und nehme den letzten kaum merklichen Anstieg auf den Fläming nach Wiesenburg in Angriff. Dort finde ich dann am Ortsausgang eine Tankstelle, wo ich Wasser auffüllen kann und nochmal ein Eis nebst Bier reinschiebe. Es ist jetzt 15 Uhr und das wird wohl meine letzte Pause sein. Ein anderer Rennradfahrer trudelt auch hier ein, aber der spricht kein Wort und hat ein blitzblankes Rad, ich nehme an der macht nur eine kurze Runde.

Von hier aus rollt es leicht bergab durch Bad Belzig und dann auf sehr kleinen Wegen, die ich immer mal wieder verpasse weiter in Richtung Belitz. Nach Belitz kommt der übelste Teil der Strecke, und zwar der Kähnsdofer Weg am Seddiner See entlang. Obwohl als geteert ausgewiesen entpuppt sich der Weg als Katastrophe. Am Anfang lassen sich noch Reste von Teer erkennen, später wandelt er sich zu einem reinen Mountainbikeweg mit Schlamm und tiefen Pfützen. Nur das schöne Seeufer tröstet mich und ich beschließe kurzfristig einen kleinen Halt zu machen um auch meine Blase zu erleichtern. Mit ein paar Blättern säubere ich die verschlammten Reifen, so kann ich ja kaum durch Berlin fahren, außerdem reibt der Sand beim Bremsen auf den Felgen.

Irgendwann wird der Straßenzustand wieder besser und ich kann wieder Gas geben. So nähere mich auf weiterhin kleinen aber gut zu fahrenden Straßen Berlin. Der letzte Ort ist Groß-Beeren, danach geht es nochmals durch ein paar Felder bevor die Stadtgrenze von Berlin erreicht ist. Überraschend ist der abrupte Wechsel von freiem Land zum Stadtgebiet. Mal schauen wie lange ich durch die Stadt brauche, ich muss ja zur Frankfurter Alle im Osten. Das geht erstaunlich gut, es hat wenig Ampeln und auch überschaubar viel Verkehr auf der programmierten Strecke. So komme ich denn um kurz nach Sieben glücklich am Ziel an.

Ich fühle mich etwas erschöpft aber nicht wirklich kaputt.Jetzt geht es erstmal indisch essen und dann bald auch ins Bett.

Strecke / Höhenmeter: 826 km 4700 hm
Gesamtzeit / Gesamtdurchschnitt: 36:57 h 22.3 km/h
Reine Fahrzeit / Durchschnitt Fahrt: 30:07 h 27.4 km/h

 

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