Leipzig April 2012

Und wieder einmal soll es nach Leipzig gehen. Ein guter Grund liegt vor: unsere Tochter Rebecca hat Geburtstag, und wir beschließen sie zu besuchen. Das Wetter sieht gut aus, zwei Tage sollte es trocken bleiben, so dass ich schnell beschließe, eine Strecke wieder mit dem Rad zu fahren.

Diesmal entscheide ich mich für eine neue Strecke, quer durch den Schwarzwald, am Neckar entlang und an Stuttgart vorbei und dann über Rothenburg ob der Tauber und Bamberg nach Leipzig. Auch will ich wieder durchfahren, so dass ich, wenn ich Samstag morgen los fahre am Sonntag abend ankomme.

Da es im April noch recht frisch sein kann, packe ich für die Nacht meine Winterklamotten ein. Mit Regen muss ich zum Glück nicht rechnen, so bleibt die Regenhose zuhause. Für morgens um 4:30 Uhr ist der Wecker gestellt und um 5:30 Uhr geht es los. Bevor ich los fahre richte ich mir noch vier belegte Laugenstangen für unterwegs und als Notration für die Nacht.

Bei klarem Himmel kurble ich das Wagensteigtal nach St.Märgen hoch und und fahre dann gleich wieder ins Hexenloch runter. Eine meiner Lieblingsstrecken… auch wenn heute noch mehr auf dem Programm steht. So langsam fängt es an zu dämmern, als in in Furtwangen ankomme. Wie üblich nebelt es wieder hier in den Hochtälern des Schwarzwaldes. Als ich in Furtwangen ankomme wundere ich mich über die vielen Tropfen die mir vom Helm ins Gesicht tropfen, bis ich merke, dass sich der Nebel als Eis auf dem Helm niedergeschlagen hat und jetzt wieder taut. Es ist halt noch früh im Jahr und dementsprechend niedrig sind die Temperaturen.

Aber mit jedem Kilometer wird es jetzt wärmer, und bald kommt die Sonne über den Horizont und beginnt den Nebel aufzulösen. Meine Route habe ich so gelegt, dass ich auch durch das Groppertal komme. Ein schönes Hochtal mit einer fast unbefahrenen Straße. Nach Dunningen um kurz vor Neun halte ich an und steige auf Armlinge und Beinlinge um. Bald geht es auch schon hinunter ins Tal des Neckar, wo ich entgegen meiner Befürchtung keinen Nebel antreffe.

Auf angenehm zu fahrenden Fahrradwegen, unterbrochen von kleineren Straßen geht es nun eine ganze Weile entlang des Neckar. Manchmal gibt es allerdings auch ungeteerte Stellen, aber auch die sind gut zu fahren. Bei Neckartailfingen esse ich um kurz nach halb Eins bei einer Bäckerei zu Mittag. Ein Bier, ein Fleischkäsweckle und ein paar süße Teilchen bilden das Bikermenu. Nach einer halben Stunde geht es weiter.

Bei Plochingen verlasse ich den Neckar und fahre die Fils entlang bis Göppingen. Ab hier gibt es einen Radweg auf einer ehemaligen Bahntrasse, der mich über den Hügel nach Schwäbisch Gmünd bringt. Etwas später, in Heuchlingen ziehe ich meine Beinlinge wieder an, ich möchte meine Knie auf dieser Fahrt nicht unterkühlen. Es ist jetzt 16:00 Uhr und es wird schon wieder schattig. Kurze Zeit Später entdecke ich in Dewangen an der Strecke noch eine Bäckerei und ich nutze die Gelegenheit nochmal was Süßes zu essen. Immerhin sind jetzt schon 260km erarbeitet.

Über Ellwangen und Crailsheim geht es weiter in Richtung Norden und gegen 20 Uhr erreiche ich Rothenburg ob der Tauber, was ich aber östlich umfahre. Plötzlich wird es mir beim Fahren leicht schwindlig und ich merke, dass wohl mein Blutzuckerspiegel in den Keller fällt. Also schnell angehalten und zwei Riegel verdrückt. Auch das Licht wird wieder eingeschaltet, die Dunkelheit setzt ein. Die Riegel wirken schnell und der Schwindel verschwindet anstandslos.

Zum Abendessen habe ich mir schon zuhause eine Italienisches Restaurant in Neustadt an der Aisch ausgesucht und dieses in mein Garmin programmiert. Gegen 21:30 laufe ich dort ein, der Tacho zeigt 376km. Ich erkläre dem Kellner, dass ich eine anständige Portion Spaghetti benötige, da ich noch durchfahre bis Leipzig. Ungläubig schaut er mich an, aber anscheinend hat er meinen Wunsch in die Küche weitergeleitet, denn bald kann ich mich über eine Riesenportion Spaghetti Bolognese her machen.

Gut gestärkt und etwas ausgeruht geht es dann wieder hinaus zum Rad. Wohlweislich habe ich auf der Toilette des Restaurants meine lange Winterhose einfach über die Kurze nebst Beinlingen gezogen. Einerseits bin ich zu Faul alles auszuziehen und andererseits vermute ich stark, dass ich die Isolation gut brauchen kann. Auch meine Winterhandschuhe ziehe im mir über.

Draußen empfängt mich die unangenehme Kälte einer klaren Nacht im April. Gerne würde ich wieder umdrehen und in der Wärme des Gasthauses bleiben, aber so war das ja nicht ausgemacht. So strample ich so schnell ich kann, bis mein Kreislauf wieder etwas Eigenwärme produziert.

Es geht jetzt weiter das Tal der Aisch hinauf. Kurz hinter Ühlfeld verpasse ich einen Abbiegehinweis meines Garmin und wundere mich, warum der Wirtschaftsweg mitten in der Landschaft plötzlich aufhört. Schnell merke ich, dass ich wohl einen Kilometer wieder zurück muss. Kein Problem, das fällt bei der Strecke ja nicht ins Gewicht.

Später verlasse ich das Aischtal und fahre über ein paar Hügel nach Bamberg. Von hier aus geht es ein Stück entlang des Main. In Lichtenfels steure ich eine große 24h Tankstelle an, ich weiß dass dies die letzte Gelegenheit ist, diese Nacht etwas zu essen zu holen und die Flaschen aufzufüllen. Nach 18 Minuten geht es wieder hinaus in die Kälte.  Es ist 3 Uhr Nachts und kein Mensch mehr unterwegs. Nur das Surren der Räder, das mehr oder weniger laute Pfeifen des Fahrtwindes und das eigene Atmen begleiten mich akustisch.

Mittlerweile merke ich auch, dass meine Radflaschen wieder anfangen zu knistern beim Trinken. Aha, das kenn ich doch von meiner Novemberfahrt. Schnell befördere ich eine in meinen Rucksack, damit nicht beide einfrieren. Ein deutliches Zeichen, dass die Temperatur mal wieder im Minus ist.

Nach Lichtenfels geht es jetzt langsam in das nördliche Fichtelgebirge. Die Straße steigt erst unmerklich, dann immer mehr an. Schön muss es hier sein, leider sehe ich nicht allzu viel, da es ja dunkel ist. Von der kleinen Nebenstraße zweigt ein noch kleinerer geteerter Weg ab und führt immer steiler werdend durch den Wald.

Irgendwann denke ich mir, das kann doch nicht sein, mein Garmin zeigt zwar mittlerweile 12% Steigung an, aber ich kann kaum noch durchtreten, auch im Stehen nicht. Ist mein Schaltwerk eingefroren?  Entnervt halte ich an und beschließe eine meiner belegten Laugenstangen zu essen. Dabei bemerke ich, dass ich versehentlich vorne noch auf dem großen Zahnkranz unterwegs bin. Peinlich… aber im Dunkeln sieht man das ja nicht.

Das mit der Laugenstange klappt irgendwie auch nicht optimal. Meine eingefrorenen Kauwerkzeuge und die mittlerweile gummiartige trockene Konsistenz des auch schon 20 Stunden alten Teiglings wollen sich nicht so recht vertragen. Nur mit dem zum Glück nicht durchgefrorenen Wasser aus meiner Rucksackflasche lässt sie sich langsam hinunterwürgen.

Bevor es mir zu kalt wird, geht es nach wenigen Minuten weiter. Durch die Bäume sehe ich auch schon die ersten Signale der Morgendämmerung. Es ist 5 Uhr morgens und es wird Zeit, dass es wieder hell und vor allem wärmer wird.

Aber erst geht es noch weiter ziemlich steil hinauf, zum Glück deutlich besser zu fahren auf dem kleinen Blatt. Bei Geroldsgrün überquere ich den Höhenkamm und komme ins freie. Schön sieht es aus hier. Die hügelige Landschaft im Morgengrauen. Leider denke ich nicht an ein Foto.  Es geht nun wieder bergab, aber nicht sehr lange.

Bei Blankenstein ärgere ich mich gewaltig, da mich mein Garmin aufgrund einer wahrscheinlich um ein paar Meter kürzeren Streckenführung von der Straße lotst, über eine 14% Steigung ins Dorf hinein und ein paar Meter weiter wieder genausosteil über Schlaglöcher zurück zur Straße. Da hätte ich bei der Planung besser kontrollieren sollen, mein Fehler. An dieser Stelle überquere ich wohl auch die Grenze nach Thüringen, wie ich im Nachhinein feststelle.

Es geht nun wieder hinauf zum nächsten Höhenrücken und über Zollgrün nach Schleiz. Ab hier kenne ich die Strecke, diesen Abschnitt bin ich schon mehrfach gefahren. Irgendwo auf freier Strecke zwischen Schleiz und Auma mache ich nochmal eine kurze Pause und esse ein paar Riegel. Es ist kurz nach 8 Uhr und wieder hell, auch wenn die Sonne erst langsam beginnt die Kälte der Nacht zu verdrängen. Einen etwas längeren Halt plane ich für Gera, da müsste es auch eine große Tankstelle mit Bistro geben.

Nach angenehmer Fahrt auf kleinen Sträßchen über die Hügel laufe ich um 9:30 Uhr in Gera ein und mache mich gleich über ein leckeres Sandwich und einen großen Capuchino her. Nach einer halben Stunde gehe ich gut gestärkt und vor allem durch das Koffein auf Schwung gebracht die restliche Strecke an.

Nach Gera geht es entlang der Elster auf dem schönen fast durchgängigen Elster Radweg. Flache Stücke wechseln sich mit kurzen Anstiegen ab, an sich sehr schön zu fahren, leider macht sich aber mein linkes Knie wieder bemerkbar. Die Kälte hat ihm wohl wieder zugesetzt und auch das Hochdrücken der Steigungen in der Nacht hat es mir wohl nicht verziehen. So nehme ich etwas Tempo raus und trete verstärkt mit dem rechten Bein. Es ist ja nicht mehr weit, nur noch 70km bis Leipzig. In Zeitz verliere ich noch etwas Zeit, da ich durch den Ort will, dort aber eine Baustelle meine Streckenplanung durchquert.

Nach Zeitz wird es flach, aber es bläst mir jetzt ein gehöriger Gegenwind entgegen. Mit dem lädierten Knie schaffe ich nur noch eine Durchschnittsgeschwindigkeit von 23km/h. Aber ich will ja keinen Rekord brechen, und so schiebe ich nochmal für die letzten Kilometer einen Riegel rein und fahre bald auch durch Markkleeberg nach Leipzig hinein, wo ich um 13:50 Uhr ankomme. Ein Bier und etwas zu Essen hat Rebecca dankenswerter weise schon gerichtet. Dann mache ich auch gleich einen Mittagsschlaf um für die weiteren Familienpflichten gerüstet zu sein.

Strecke / Höhenmeter: 678 km 6276 hm
Gesamtzeit / Gesamtdurchschnitt: 32:25 h 20.9 km/h
Reine Fahrzeit / Durchschnitt Fahrt: 27:51 h 24.3 km/h

 

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