Riesa August 2012

Der erste Licht des Morgens weckt mich und ich blinzle hinaus aus meinem Zelt. Dünne Dunstschwaden ziehen über den See und auch auf dem Gras hat sich die Feuchtigkeit niedergeschlagen. Recht frisch ist es, und nur mit Überwindung klettere ich aus meinem warmen Schlafsack.

In Anbetracht des nicht vorhandenen Kaffees, und der Tatsache, dass ich noch eine Flasche Bier übrig habe, entschlieߟe ich mich ohne viel innerer Diskussion, diese hier und jetzt zu öffnen. Für Langstreckenradler gelten andere Regeln, da darf man auch mal ein Bier zum Frühstück trinken, denke ich mir.

Prompt kommen kurz darauf zwei junge Mädchen vorbei und fragen mich nach Feuer. Ich erkläre, dass ich Nichtraucher bin, was ja von einem Radfahrer kaum anders zu erwarten ist. Ihre Antwort: “Klar, kein Feuer, aber Bier trinken am Morgen!” Wenn die wüssten, wieweit mich das Bier noch tragen muss…

Um kurz vor sieben, habe ich alles wieder auf dem Rad verstaut und mache mich auf den Weg. Wie sich herausstellt führt ein anständiger breiter Weg vom See wieder zurück zur Straße, ich muss also nicht nochmal über die MTB-Achterbahn. Am Parkplatz an der Straße gibt es auch einen Mülleimer, den ich gleich nutze meine diversen Bierflaschen und den anderen Müll loszuwerden.

Entlang der Pegnitz und der Schnaittach fahre ich weiter. Nach dem Ort Schnaittach geht es wie schon im November auf einer winzigen Straße durch ein kleines schnuckeliges Tal mit alten Bauernhöfen, Kuhweiden, und einem kleinen plätschernden Bach. Wenn die fiesen bis 12% steilen Rampen nicht wären, könnte man die Ecke richtig genießen. Aber zumindest sehe ich das jetzt bei Tageslicht, und nicht bei nächtlichen -5°C wie im November. Ich muss sagen, nachts und mit Raureif sieht es weit mystischer aus.

In Pegnitz steuere ich das erste Café an und lasse es mir mit zwei Cappuchino richtig gut gehen. Erst jetzt kommt mein Kreislauf wirklich in Schwung und die nächsten Kilometer läuft es fast von alleine. Sogar der Anstieg nach Bayreuth, zum Flughafen kommt mir völlig harmlos vor. Im November habe ich hier über die Steigung geflucht.

Talsperre FörnitzDie Strecke führt weiter nach Bad Berneck, und von dort ins Fichtelgebirge. Was für ein Begriff für diese Hügel… auf dem höchsten Punkt zeigt mein Höhenmesser 660m. Das ist ja kaum mehr als am Kaiserstuhl. Vielleicht sollten wir den auch Kaiserstuhlgebirge nennen. Aber dann würde sich der Schwarzwald beschweren, auch keine gute Idee.

Östlich von Münchberg fahre ich an der Förnitztalsperre entlang. Mittlerweile ist es 12:30 Uhr und die Sonne brennt doch ziemlich intensiv vom Himmel. Ich fühle mich an die Po-Ebene erinnert. Kurz überlege ich, ob ich hier schnell ins Wasser springen soll. Aber ich bin grade so gut in Fahrt…

Später, in Oberkotzau ist es dann doch Zeit mal wieder was zu essen. Seit dem Frühstück ist doch eine ziemliche Zeit vergangen, es ist jetzt 13:30 Uhr. Eine Bäckerei kommt da gerade recht. Ein belegtes Brötchen, ein Apfelsaft (Bier hatten sie leider keins ;-) und dann geht es auch schon weiter.

FelderImmer hoch und runter geht es hier. Leider nur kurze Stücke, sodass man bergab auch keine Zeit findet sich zu erholen. Dazu sind die Temperaturen schon weit jenseits von 30°. Ich mag das, lieber von der Sonne gebraten werden und schwitzen, als in der Kälte fahren. Nur muss ich ein wenig vorsichtig sein, ein Sonnenstich wäre jetzt nicht gut.

Viele kleine Dörfer säumen den Weg, kein Name den man schon mal gehört hat. Nur Treuen bleibt mir in Erinnerung. Der Fahrradweg wandelt sich in einen steilen Pfad, auf dem es kaum ein Fortkommen gibt. Ich drehe um und nehme einen anderen Pfad. Auch kaum besser, und diesmal fluche ich laut. Auf mein GPS, auf mich, und insbesondere auf die Wegbeschaffenheit. Jetzt wird der Weg wieder breiter, ein gutes Zeichen. Aber kinderkopfgrosse Steine lassen mein Rad hüpfen, und ich befürchte dass mich gleich mein Gepäckträger überholt. Insbesondere als es dann noch mit 15% Gefälle nach unten geht. Ich schwöre mir, keine solche kleinen Wege mehr zu programmieren. Zum Glück hat das Elend bald ein Ende und ich erreiche wieder eine normale Straße.

Doch ein paar Kilometer weiter das nächste Problem. Eine Sperrung wegen einer Baustelle. Ich will keine Experimente machen und fahre einen Umweg. Ins Tal hinunter und weiter hinten wieder hinauf. Na ja, immerhin gut zu befahren. Aber diese fiesen Hindernisse kosten einfach Zeit.

Lange SchattenSchnell geht es hinunter nach Zwickau, zumindest ein bekannter Ort auf der Strecke. Gleich im Anschluss wieder hoch auf den nächsten Hügel, und zwar knackig. Weiter quere ich einen Höhenkamm nach dem anderen. Immer wieder geht es hinunter in die Flusstäler. In Limbach-Oberfrohna mache ich noch einmal Pause an einer Tankstelle. Es ist auch schon zwanzig vor sieben, der Nachmittag neigt sich dem Ende zu. Das Gute dabei ist, dass die Temperaturen wieder angenehm sind und ich auch wieder etwas Gas geben kann, ohne in der Sonne dahinzuschmelzen.

Bei Clausnitz kommt die nächste Sperrung, diesmal aber einfach zu umfahren. Bei Kriebstein freue ich mich über eine schnelle Abfahrt, als bei ca. 70km/h der neue Straßenbelag aufhört und darunter die alte DDR Straße weitergeht. Trotz Vollbremsung glaube ich mein Rad und Gepäck lösen sich auf, so poltert es. Aber nichts passiert zum Glück.

In Waldheim dann das nächste Gesperrt Schild. Mist, wie fahre ich jetzt am besten. Nach Studium der Karte auf meinem GPS entscheide ich mich für eine parallel Strecke. Verunsichert werde ich durch das Schild am Anfang derselben. 14% Steigung steht da geschrieben. Na danke, das brauche ich jetzt. Im Stehen trete ich hoch, es geht besser als gedacht. In der Ruhe liegt die Kraft. Dann entpuppt sich diese Strecke als ideal. Guter Teer und angenehm zu fahren. Dabei ein herrlicher Blick über die Landschaft unten im Tal. Das Licht der untergehenden Sonne schafft eine märchenhafte Atmoshpäre.

Mein BegleiterDöbeln umfahre ich auf der Bundesstraße um dann auf einem schönen Fahrradweg wieder hinüber zu meiner ursprünglichen Route zu queren. Es ist jetzt dunkel und ich habe meine Beleuchtung wieder eingeschaltet.

Bei Ottewig, der nächste Stess. Der Weg auf den mich das GPS lotsen will ist ein Feldweg. Nicht zu befahren. Ich fahre weiter auf der kleinen Straße auf der ich bin. Aber ich komme nicht mehr zurück auf die Route, das nächste Gesperrt Schild schließt die einzig sinnvolle Verbindung aus. So fahre ich einen großen Bogen, am Ende wieder auf der B169, die ich eigentlich meiden wollte. Aber es hat kaum noch Verkehr und so komme ich jetzt wenigstens zügig voran.

Um 22:00 Uhr laufe ich endlich in Riesa ein. Viel später als erwartet. Aber diese Umwege waren auch nicht eingeplant.

Ein großes Buffet und ein Lagerfeuer erwartet mich bei unseren Freunden. Alle sind sichtlich erleichtert, als ich endlich erscheine. Danke Simi!

Strecke / Höhenmeter: 328 km 3852 hm
Gesamtzeit / Gesamtdurchschnitt: 15:13 h 21.6 km/h
Reine Fahrzeit / Durchschnitt Fahrt: 13:07 h 25.0 km/h

Nachtrag: auch der Umzug ging dann noch recht gut über die Bühne. Arbeitsplatte kaufen und Auschnitte sägen, Oberschränke aufhängen, nicht zu reden von Vorhangschienen und Lampen… eine Geschirspülmaschine am anderen Ende von Leipzig auflesen und anschließen, Spüle anschließen und viele ander Kleinigkeiten… Was tut man nicht alles für die Kinder…

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